Sexta-feira, 6 de Abril de 2012

Der Fallende Christus

 

 

             

 

 

 

Der Baumeister, etwas besoffen wie immer, zeigte die Reihe von Gebäude die er errichtet hat und sagte: “Juchhe! Juchhe! Das ist meine Strasse, vorläufig die längste von Vila Nova de Cacela. Er verkaufte die Wohnungen seiner dreistöckigen Häuser, ein Gelbes, ein Weißes und ein Tiefblaues und wollte dem Kurt Lang eine Wohnung des blauen Haus, dass von den Einwohnern schon als “o azulão” genannt wurde, verkaufen.  Nirgends in der Welt, sagte Jonas, der Baumeister, gibt es so ein blau gestrichenes Haus. Es ist ein Kunstwerk. Alles blau mit einem Strich weiß in jeder mit schwarzem Gitter versehenden Veranda. Einfache Gebäude, die trotzdem den Geist der südlichsten Region Portugals aufweisen.   

 

            - Ich habe die ganze Strasse gebaut, sagte der Baumeister seinem Kunden. Zur selben Zeit spielte der ehemaliger Finanzbeamte und jetzt Bauunternehmer mit einem goldenen Medaillon in dem das Gesicht Salazars gestochen ist.

            - Ist es aus Gold? Fragte ironisch Kurt Lang.

            - Aber natürlich, es ist ein Kunststück und ich scheue mich nicht jedem zu zeigen, sogar dem Bürgermeister von Vila Real de Santo António, der Kommunist ist und die Faschisten hasst.

            Jonas, der Bauunternehmer, war die wichtigste Person dieser Ortschaft dass die Portugiesen Vila nennen und ist weder Dorf noch Stadt, hauptsächlich weiße Häusern zwischen einem Marktplatz, eine Eisenbahnstation und eine Poststelle. Neubauten die einigen älteren Häuser verstecken, einschließlich eines alten Kino, der seit Jahre keine Hollywood Filme zeigt.

            Jonas, wenn er nicht baut oder nicht trinkt, macht Kindern in seine Gefährtin, eine Frau aus den Inseln Cabo Verde, so schlank wie schön braun. Er teilte sein Leben mit der Schlanke aber ab und zu musste Sie zur Schwester in Lissabon fliehen, da Jonas Ihr zu viel dresche gab. Eigentlich mischte er Sex mit Dresche zusammen mit Whisky und alles mit Liebe.

            Jonas sah sich selbst als Besitzer der Hauptstrasse von Vila Nova de Cacela, obwohl er da nichts mehr als eine Parterrewohnung besitzen wird, nachdem alle anderen verkauft sind.

            Das Vermögen Jonas ist nicht weiter als eine Folge der Revolution des 25. April 1974. Das ganze Unternehmen gehörte dem Benjamin, der Marokkaner, so genannt weil er in Marokko zu Geld gekommen ist und in den Bauunternehmen von Cacela investiert hat. Aber, als die revolutionären Zustände den Eindruck gaben dass alles verstaatlicht wird und eine linke Diktatur in Portugal kommen wird, floh Benjamin sofort nach Casablanca und ließ sein Unternehmen. Jonas, der Finanzbeamte und Buchhalter Benjamins, führte es weiter und kaufte sogar sehr billig alles, fertigte die Gebäude und fing an die Wohnungen zu verkaufen, natürlich mit Hilfe der guten Kredite der verstaatlichen Banken, die Anweisungen hatten alles zu machen damit die Privatwirtschaft weiter funktioniert.

- Über Medaillons, wofür ich eine gewisse Liebe habe, hauptsächlich für diejenigen die aus Gold gefertigt sind, – sagte Jonas mit einem Glas Whisky in der Hand – kann ich Ihnen eine Geschichte erzählen.

- Ich höre es gerne – antwortete Kurt Lang.

- Es war während der Karwoche; besser gesagt am Gründonnerstag, als ich das Traggerüst oder Paso, wie die Sevillaner es nennen, gesehen habe. Dieser Paso trug eine reiche und kunstvolle Holzstatue des „Fallenden Vater Jesus, der Sohn des Zimmermann“ auch „Unser Vater der drei Fälle und der Guten Räuber“ genannt in der Prozession der entsprechende Cofradia (Bruderschaft) in Sevilla. Der Christus auf dem schweren Traggerüst hatte eine lange Schnur vom Hals herunter und kniete fallend unter dem Gewicht des Kreuzes. Das Gerüst war mit einem schwarzen Seidengewand nach unten gedeckt, so dass man die vielen Träger (Costaleros), auf deren Rücken und Köpfe die enorme Last des Gerüsts getragen wurde, nicht sehen könnte.

Vor der Prozession schreiten die sogenannten Nazarenos, mit langen schwarzen Mänteln und Kapuzen, die nur die Augen freilassen, und die Penitentes, "Büßer", mit Kreuzen auf ihren Schultern, her.

 

           Die Kunstvolle Schönheit und das tragische Leiden des Gesichts des Christus war nicht was ich bewundert habe, obwohl ich gedacht habe, wenn er so war, dann ist es kein Wunder dass Magdalena und Veronica Ihm wirklich als Mensch geliebt haben. Die zwei Frauen kamen hinterher in einem Gerüst unter einem Goldenen Baldachin. Die Veronica mit einem Tuch um das Blut des Christus zu entfernen. Beide weinenden und strahlenden Schönheiten aus Holz mit einem Firnis der die Tränen spiegelten.

Nein! Nein! Ich bewunderte nicht die Statuen der biblischen Figuren.  Als ich es sah, meine Lippen sagten sofort: hoho! Aha! Ganz baff bin ich geworden. Ein Wunder ist geschehen. Aus einer der vier Armleuchten des Gerüsts hang ein goldenes Medaillon. Es scheint wie eine kleine Sonne, ganz gewiss aus Gold. Ja! Spanisches hochkarätiges Gold. Die goldene Kette ließ das Medaillon bis zum Seidengewand des Gerüsts strahlen. Ich sagte zu mir, ich muss das Ding erhaschen. O Jesus Domine oder Gottes Teufel. Ach! Wie ich möchte auch eine Kapuze und einen Mantel eines Nazareno tragen. So konnte ich niemals erkannt werden.

Ich folgte die Prozession durch die lange Strecke des Martirium Christus, wie sich die Kirche in Sevilla vorstellte. Ich bin gelaufen und betete immer lauter damit man mich als einen wirklichen Gläubiger sieht und durchlässt. Zu erst ist die Prozession die Calle Rosário nach oben gelaufen und dann die Calle Villegas und durch die Plaza de Villasis und Plaza del Duque und mehrere Strassen noch, dessen Namen mir nicht bekannt waren, bis wir an die Kirche von Luchana in der Morgenfrühe angekommen sind. Ich weiß nicht wie viele Stunden bin ich gelaufen, weil die Sonne des Medaillons bereits über meinem orbitofrontalen Kortex verfügte. Nichts wusste ich mehr, nicht mal die Zeit. Ich wollte nur in die Kirche rein und warten bis alle Menschen nach Hause gegangen sind und ich das Ding, die Sonne, erhaschen kann.

Jonas erzählte seine Geschichte langsam und, ab und zu, musste er sein Hals mit einem Scotch nass machen.

Für die Costaleros war es eine wirkliche Strapaze der Eintritt des Gerüsts in der Kirche. Die Dornenkrone des Christus Kopf war höher als die Tür, man musste das Gerüst etwas neigen damit alles rein kommen könnte. Der Dirigent der Costaleros klopfte die Anweisungen dauernd in das Gerüst und wurde entsprechend gefolgt. Die harte Arbeit ist getan und die zwei Gerüste der Prozession fanden ihre Plätze in der Kirche. Aus Trauer, wegen des Sterbens des Erlösers, bedeckte man beide Statuen mit einem schwarzen Gewand. Die Kapuzenträger und die Büßer knieten und betend machten sie mehrere runden um diesen fallenden Christus. Die Laien hinterher machten dasselbe. Ich kniete und versuchte vorwärts zu kommen und am Seidengewand wo ich weinend laut betete. Nie habe ich die Passion oder das Leiden Christus so gespürt. Ich weinte weil ich nicht wusste ob meine Sohne, mein goldenes Medaillon,  noch da war, nachdem man das schwarze Tuch über die ganze biblische Szene gelegt hat. Es war eine zweite via sacra nach der Prozession. Ich kam bis zu der Armleuchte und kniend ließ ich mein weinenden Kopf bis zum Boden fallen und tastete das Gewand. Tatsächlich, das Medaillon war da, mein Herz klopfte wie nie bevor, und meine Lippen sagten betend „Heiliger Christus der Konversion des guten Räuber und Vater Jesus lass mich diesen Medaillon ergattern und ich wiederholte die Wörter des guten Räubers dass ich in meiner Kindheit auswendig gelernt habe und sagte laut: „Herr, gedenke meiner, wenn Du in dein Reich kommst!

Meine Stirn ging runter bist zum Boden und ich betete wie ein Muslime aber meine linke Hand versuchte den Medaillon aus der Kette zu reißen. Es ging nicht sofort. Ich weinte laut und sagte oh weh! Potztausend! Sackerlot! Und auf Französisch: Sacré nom de Dieu! Dann versuchte ich mit beiden Händen diesen Potzmedaillon zu bearbeiten. Damit machte ich so als benutze das seidene Gewand um meine Tränen zu wischen und handlich habe ich es geschafft. Die Kette wurde gebrochen und Medaillons mit Kette waren in meine Hand.

Ich, anstatt zu weinen, sagte leise: oh! Jauch! Juchhe! Heisa! Halleluja! Halleluja! Das Medaillon habe ich sofort zu meiner Brust unter mein Hemd gebracht. Kniend versuchte ich aus dem Gerüst weg; immer langsam und bettend. Einige Meter weiter stand ich auf und ging raus aus der Kirche. Getrübt fand ich mich draußen ohne zu wissen wo ich war. Ich brauchte einige Minuten um zu wissen dass ich in Sevilla war und mein Wagen ist weit davon geparkt. Ich bin fast eine halbe Stunde bis zum Wagen gelaufen und meine Augen konnten niemand ins Gesicht blicken.

Endlich habe ich das Auto gefunden und sofort ging ich durch die Autobahn nach Huelva, Ayamonte und durch die Grenzbrücke am Guadiana bis Vila Nova de Cacela. Ich glaubte dass alle Scheinwerfer hinter mir Autos wären die mein Raub bestraffen wollten.

Aber Nein! Ich kam zufrieden an meine Wohnung und erschöpft legte ich mich ins Bett. Das Medaillon steckte ich in eine Schubladen und sah nur dass er scheint wie eine kleine Sonne. Sofort schlief ich wie ein Heiliger.

- Haben Sie nicht diese Tat bereut? Ihre Seele oder Gehirn sagte ihnen nicht etwas dagegen? – fragte Lang.

- Nein oder noch nicht. Am nächsten Morgen, als ich aufstand, habe ich mich noch nicht um das Medaillon gekümmert. Habe mich gewaschen und mein Kaffee getrunken. Nachher habe ich das Medaillon beobachtet. Ich war erstaunt, es war aus Gold und schwer. Meine Güte, sagte ich, die Kerle haben wieder gold in den Kirchen. Es ist nicht mehr wie in der Zeit des Bürgerkriegs und nachher wenn Spanien kein Gold und keine Mittel hatte. Tatsächlich musste dieses Medaillon aus einem speziellen Gold gefertigt sein, es leuchtet wie eine goldene Lampe. Trotzdem verlor ich das Interesse in das Medaillon. Eigentlich, wollte ich nicht das Ding besitzen, mir ging es um den Modus operandi des ganzen Abenteuers und nicht um Gold.

- Ah! Aha! – sagte Lang – dann haben Sie das Medaillon zurückgegeben. Ich glaube nicht dass es noch in ihrem Besitztum ist.

- Klar! Natürlich! Ich wollte es aber nur beim Ausbruch des dritten Tages als Jesus stand von den Toten auf und ging glorreich aus dem Graben hervor. Eigentlich mein Gedanke war die frommen Frauen Jesus zu ehren. Ich wollte Maria Magdalena, Marta und Veronica in Gedanken das Medaillon schenken.

In der Morgenfrühe des Sonntags ging ich hin und versuchte kniend und betend voran zu kommen. Ich hörte die nazarenos über den Raub sprechen; einer mit einem Gesicht eines Faschisten und sehr kurze Haare und einen schwarzen Hemd sagte dass es war ein Werk der Kommunisten oder Sozialisten. Ich betete nur und sagte einen Padre Nuestro nach dem anderen und kam langsam an dem Gerüst. Das Seidengewand deckte die ganze Statue. Ich versuchte wieder meine Tränen an diesem Gewand zu trocken und plötzlich legte ich das Medaillon mit der gebrochenen Kette rund um den unteren Teil der Armleuchte und ging sofort raus.

Erschöpft setze ich mich in eine Kirchenbank und wartete bis die Sonne ganz Andalusien mit seinen goldenen Strahlen deckt. 

 

Das Parfüm der Orangenbäume Sevillas füllte mich vor Freude. Ich wollte das Gedicht Los Botones de Azahar des Gustav Beckers rezitieren und anstatt zu beten, sagte ich La Primavera ha venido, nadie sabe como ha sido, der Frühling ist gekommen und niemand weiß wie ist es gewesen“.

Inzwischen sah ich das Gerüst der Marta, Maria Magdalena und Veronica, die schönen und frommen Geliebten des Gottessohns. Wunderschöne Gesichter. Jetzt unterm Sonnenlicht das Wasser der Tränen war wie ein Spiegel der Freude und ohne zu wissen rezitierte ich wieder den Becquer und sagte sehr laut: Mujer!...Mujer! Óyeme.... óyeme y acércate para oírme, que yo besaré tus pies mientras tiemblo al copiar tu imagen en el fondo sombrio de mis ondas! Mujer! … Óyeme, que mis murmurios son palabras ( Frau, Frau, höre mich...höre und komm näher um mich zu hören. Ich werde deine Füße küssen und zitternd werde ich dein Bild in die dunkle Tiefe meiner Netzhaut kopieren! Frau!... höre mich, mein Murmeln sind Wörter).

Irgendwie ist für mich Sex und Gott eine einzige Realität. Ich kann nicht eine Kirche ohne Sex verstehen. Man spricht über die Liebe in der Kirche und sagt nichts über Sex, aber Sex ist doch Liebe. Ich muss eine Frau lieben um zu ficken. Ich muss alle Teile eines Frauenkörper lieben um wirklich ihr etwas zu geben dass von mir kommt.

Als ich in meinen Gedanken versunken war hörte ich plötzlich von vielen Stimmen das Wort milagro, milagro, milagro.... (Wunder! Wunder!...).  Die Nazarenos und Büßer sagten es laut und machten das Kreuzzeichnen immer wieder. Einige gingen mit der Stirn bis zum Boden. Ich fragte mich selbst, wie können diese Leute so fromm sein und immer links wählen. Ja! In Andalusien regieren die Sozis seit etliche Jahre oder seitdem die Demokratie in Spanien eingeführt wurde.

- Ja! Mein guter Lang! Ich war ein Werkzeug Gottes oder Jesus und habe da ein Scherz eingerichtet. Ich war die Hand himmlischen Humors. Glauben Sie nicht dass Gott auch über uns lachen möchte. Natürlich, wenn nicht im Himmel, dann in unseren Gehirne. Meiner Meinung nach, Gott ist ein Wesen unseres Gehirns, seine Residenz ist unser orbitofrontaler Kortex.

- Als ich nach Hause fuhr, hörte ich im Radio-Olé die Nachricht des milagro und man meinte es ist ein Zeichen dass die Zukunft Andalusiens prächtig und glücklich wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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